Andaluria: Blood & Desire · Monster, Myth & Humanity · Spooky October · Woche 4 — Jenseits des Schleiers

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Nach siebenunddreißig Jahren kehrte das Schiff nach Jesaña zurück.
Sein Kapitän behauptete, gerade einmal drei Tage unterwegs gewesen zu sein.
Er erinnerte sich an eine wunderschöne Küste, einen Garten voller Blumen und eine Frau mit silbernen Glöckchen im Haar.
Aber der Name seiner Ehefrau war ihm entfallen.
STACY: „Siebenunddreißig Jahre verschwunden. Für ihn waren es drei Tage. Und an seine Familie erinnert er sich nicht.“
CAELWYN: „Vielleicht hat er diese Erinnerungen gar nicht verloren.“
STACY: „Sondern?“
CAELWYN: „Vielleicht hat er sie verschenkt.“
Die Geschichte erinnert an das moderne spanische Triángulo del Silencio, das sagenumwobene Dreieck zwischen der Mittelmeerküste und den Balearen.
Doch was, wenn das Meer nur einer von mehreren Zugängen wäre?
Im antiken Iberien lebten keltische und keltiberische Völker. Die spätere galicische Folklore kennt mouros und mouras: geheimnisvolle Wesen, die mit alten Ruinen, Höhlen, Quellen und verborgenen Orten verbunden werden.
Für Andaluria stellen wir uns drei Wege in eine iberische Anderswelt vor: über das Meer, durch den Stein und durch das Wasser.
An einer Quelle im Serracorte-Gebirge begegnen Caelwyn und Stacy einer Frau, die ihr langes Haar kämmt.
Im Wasser spiegelt sich ein Garten, der dort unmöglich sein dürfte.
STACY: „Wo sind die verschwundenen Seeleute gewesen?“
FRAU: „Sie waren unsere Gäste.“
CAELWYN: „Warum hat der Kapitän dann seine Familie vergessen?“
FRAU: „Er hat uns wundervolle Geschichten erzählt. Wir haben sie behalten.“
STACY: „Diese Erinnerungen gehören ihm.“
Die Frau sieht sie aufrichtig erstaunt an.
FRAU: „Er hat sie uns doch geschenkt.“
CAELWYN: „Kann er sie zurückbekommen?“
FRAU: „Natürlich. Jemand muss sie nur abholen.“
STACY: „Und was kostet das?“
Die Frau lächelt.
„Möchtet Ihr es herausfinden?“
Die Anderswelt muss nicht böse sein, um gefährlich zu werden.
Ihre Bewohner können ehrlich freundlich sein, wunderbare Gastfreundschaft bieten und kostbare Geschenke machen.
Nur verstehen sie unter Zeit, Erinnerungen, Versprechen und Besitz vielleicht etwas völlig anderes als wir.
CAELWYN: „Was, wenn der Kapitän freiwillig mitgegangen ist?“
STACY: „Dann hoffe ich, dass ihm vorher jemand den Preis erklärt hat.“
Jenseits des Schleiers kann selbst ein großzügiges Geschenk zu einem furchtbaren Handel werden.
Drei Wege in die iberische Anderswelt
Um Ifach, Es Vedrà und Mallorca ranken sich moderne Erzählungen von seltsamen Lichtern und verschwundenen Schiffen. Das sogenannte Dreieck des Schweigens ist keine nachgewiesene paranormale Zone und auch keine antike keltische Sage.
Trotzdem besitzt die Iberische Halbinsel eine vielfältige keltische Vergangenheit. Keltische Sprachen und religiöse Namen sind für verschiedene Regionen belegt. Die späteren galicischen Erzählungen von mouros und mouras verbinden verborgene Wesen mit Höhlen, Brunnen und den Ruinen alter Siedlungen. Daraus lässt sich keine ungebrochene vorgeschichtliche Religion rekonstruieren.
Unsere erfundene Anderswelt für Andaluria verbindet diese Motive bewusst als Literatur: ein Eingang im Meer, einer im alten Stein, einer im Wasser einer Bergquelle.
STACY: „Das ist eine Erzählung, keine archäologische Rekonstruktion.“
CAELWYN: „Aber eine, die eine sehr alte Frage stellt: Was geschieht, wenn wir eine Grenze überschreiten?“
Im offiziellen Andaluria bewahren die Caio Schutzrituale und Opfergaben an unsichtbare Geister. Die Kirche der Goldenen Eminenz betrachtet vieles davon misstrauisch. Doch beide Traditionen besitzen tatsächlich wirksame Mittel gegen übernatürliche Gefahren.
Vielleicht sind manche Regeln nichts anderes als überlieferte Erfahrungen: Nimm kein Geschenk an, dessen Bedingungen du nicht kennst. Versprich nichts, was du nicht zurückgeben kannst. Vergiss nicht die Menschen, die auf dich warten.
Die Frau an der Quelle hält sich selbst nicht für grausam. Sie ist freundlich und großzügig. In ihrer Welt können Erinnerungen verschenkt und behalten werden. Der Kapitän wusste nicht, was er dafür verlieren würde.
STACY: „Eine Entscheidung ist nicht frei, wenn man den Preis nicht kennt.“
CAELWYN: „Und manchmal versteht man ihn erst, wenn man zurückkehrt.“
Als der Kapitän endlich den Namen seiner Frau hört, erinnert er sich wieder an sie. Dann fragt er, wo sie sei. Stacy kennt die Antwort aus den alten Hafenakten – und weiß, dass sie ihm wehtun wird.
Die Tür zur Anderswelt mag geschlossen sein. Was sie verändert hat, bleibt.
WELTEN, DIE SICH ERINNERN
Bei Mythveil Chronicles haben Versprechen, Reisen und Erinnerungen Folgen. Erlebe ein lebendiges Andaluria, in dem selbst die freundlichste Einladung einen schrecklichen Preis haben kann.
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Mythveil Chronicles — Worlds That Remember.
