PIRATE BORG — THE INNER FIRE · WOCHE 4
Seit drei Tagen liegt das Meer still.
Kein Wind.
Keine Möwen.
Keine Wellen.
Sean beobachtet die schwarzrumpfige Brigg draußen vor dem Hafen.
SEAN:
„Piraten, die freiwillig vor Sonnenuntergang die Schenke verlassen.“
ELJARA:
„Beängstigend.“
SEAN:
„Sag ich doch.“
Am Morgen war ein Priester an Bord gegangen.
Er kam allein zurück.
Der Hafenmeister nicht.
SEAN:
„Was ist passiert?“
PRIESTER:
„Sie haben einen Handel geschlossen.“
ELJARA:
„Mit wem?“
Der Priester blickt hinaus aufs Meer.
PRIESTER:
„Das wissen sie nicht.“
Monate zuvor war die Brigg dem Untergang nah.
Kein Wind.
Kaum noch Wasser.
Eine Krankheit ging durch die Mannschaft.
Dann klopfte etwas gegen den Rumpf.
Dreimal.
Von unten.
Darauf folgte ein Handel.
Wind.
Regen.
Leben.
Und ein Versprechen:
Eines Tages würde das Meer seinen Preis fordern.
SEAN:
„Und der Kapitän hat zugestimmt?“
ELJARA:
„Seine Mannschaft ist ihm weggestorben.“
SEAN:
„Also hat er für alle entschieden.“
ELJARA:
„Ja.“
SEAN:
„Hättest du es getan?“
Eljara beobachtet das Schiff.
ELJARA:
„Ich weiß es nicht.“
Sean dreht sich zu ihr.
SEAN:
„Du?“
ELJARA:
„Erzähl's bloß nicht weiter.“
Dann—
Klopf.
Jeder Matrose an Deck erstarrt.
Klopf.
Das Wasser bleibt vollkommen still.
Klopf.
Schwarzes Meerwasser läuft zwischen den Planken hervor.
Im Holz erscheinen Buchstaben.
Von innen hineingeschnitten.
Der Kapitän steigt unter Deck.
Als er zurückkehrt, trägt er ein einfaches Matrosenmesser.
KAPITÄN:
„Es will ein Leben.“
Stille.
SEAN:
„Dann kennen wir jetzt den Preis.“
ELJARA:
„Nein.“
SEAN:
„Ein Leben.“
ELJARA:
„Wir kennen die Währung.“
„Nicht den Preis.“
Der Kapitän dreht das Messer um.
Griff voran.
KAPITÄN:
„Ich habe den Handel geschlossen.“
„Ich bezahle.“
Der Quartiermeister nimmt das Messer nicht.
QUARTIERMEISTER:
„Und wenn es dich nicht will?“
Der Kapitän erstarrt.
QUARTIERMEISTER:
„Du hast ein Leben versprochen.“
„Du entscheidest nicht, was als Bezahlung angenommen wird.“
Sean blickt auf das schwarze Wasser.
SEAN:
„Ein sauberer Schmarrn von einem Vertrag.“
ELJARA:
„Er hat verhandelt, während seine Leute gestorben sind.“
SEAN:
„Dann kann er sich weigern.“
ELJARA:
„Ja.“
SEAN:
„Einfach gehen.“
ELJARA:
„Ja.“
SEAN:
„Dann ist er frei.“
Eljara sieht ihn an.
ELJARA:
„Frei, Nein zu sagen.“
SEAN:
„Genau.“
ELJARA:
„Nicht frei von dem, was danach kommt.“
Wieder ein Klopfen.
Der Quartiermeister nimmt schließlich das Messer.
Niemand bewegt sich.
Das Meer wartet.
Sean sieht Eljara an.
Eljara sieht Sean an.
Dann schauen beide langsam zu dir.
SEAN:
„Ohne seinen Handel wären sie alle tot.“
ELJARA:
„Und jetzt könnte jemand sterben, weil er ihn geschlossen hat.“
SEAN:
„Er kann bezahlen.“
ELJARA:
„Wenn das Meer ihn annimmt.“
SEAN:
„Er kann sich weigern.“
ELJARA:
„Und herausfinden, was diese Weigerung kostet.“
SEAN:
„Er darf immer noch entscheiden.“
ELJARA:
„Aber seine Freiheit löscht die Schuld nicht.“
Sie warten.
SEAN:
„Was würdest du also tun?“
ELJARA:
„Wenn das Meer den Preis verlangen würde, der einst alle neben dir gerettet hat …“
SEAN:
„… würdest du bezahlen?“
BLACK FLAGS, DEEP WATERS
Das Meer vergisst seine Abmachungen nicht.
Eine lebendige Welt auch nicht.
Deine Entscheidungen gehören dir.
Die Konsequenzen ebenfalls.
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