WAS MACHT EIN MONSTER AUS?

Caelwyn and Stacy discussing an illustrated manuscript

Andaluria: Blood & Desire · Monster, Myth & Humanity · Oktober · Woche 2 — Die Wesen, die neben uns leben

WAS MACHT EIN MONSTER AUS?

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STACY:

„Ich habe der Großmutter geglaubt.“

CAELWYN:

„Ich auch.“

STACY:

„Sie beschrieb ein Wesen, das Freundlichkeit vortäuschen, Leid erkennen und anderen Schmerzen zufügen konnte, ohne dass sie einen Grund dafür verstand.“

CAELWYN:

„Und du hast dir ein Monster vorgestellt.“

STACY:

„Natürlich.“

CAELWYN:

„Bis du erfahren hast, dass sie einen Menschen beschrieb.“

Stacy klappt das Buch zu.

„Genau das beschäftigt mich. Nichts an ihrer Geschichte wurde weniger beängstigend. Nur die Identität des Wesens hat sich verändert.“


CAELWYN:

„Sag mir, Stacy: Was macht ein Monster aus?“

STACY:

„Vielleicht die Gefahr.“

CAELWYN:

„Ein Wolf ist gefährlich.“

„Ein Bär auch.“

„Und keiner von beiden ist deshalb zwangsläufig ein Monster.“

„Dann vielleicht das Aussehen?“

„Ein Drache hat Schuppen und Krallen. Ein Elefant gewaltige Stoßzähne. Aber daraus erfahren wir nichts über Grausamkeit.“

Stacy denkt nach.

„Was ist mit Intelligenz?“

„Macht Intelligenz jemanden zum Monster?“

„Nein. Aber sie verändert unsere Erwartungen.“

„Inwiefern?“

„Wenn ein Wesen versteht, dass ein anderes leidet, und ihm trotzdem absichtlich weiter Schmerzen zufügt, beurteilen wir das anders als ein Tier, das jagt, um zu fressen.“

Caelwyn nickt.

„Nur führt das Verständnis fremden Leids nicht zwangsläufig zu Mitgefühl.“

„Nein. Manchmal verletzen Menschen andere, weil sie überzeugt sind, dass diese eine Strafe verdienen.“

„Dann könnte ein Monster jemand sein, der glaubt, das Richtige zu tun.“

„Manchmal.“

„Und ein furchterregend aussehendes Wesen könnte völlig unschuldig sein.“

„Ebenso möglich.“

Caelwyn lächelt schwach.

„Unsere Definition wird nicht gerade einfacher.“

„Das sollte sie auch nicht. Ein Irrtum kann schreckliche Folgen haben.“


CAELWYN:

„Stell dir ein Dorf in Andaluria vor. In der Nähe eines verlassenen Turms sind Kinder verschwunden. Unter dem Turm lebt ein seltsames Wesen.“

STACY:

„Und die Dorfbewohner glauben, dass es die Kinder entführt hat.“

„Sie finden das Wesen mit dem Umhang eines der Kinder.“

„Hat es das Kind verschleppt?“

„Wir wissen es nicht.“

„Kann es sich erklären?“

„Es versucht es. Aber niemand ist sich einig, was es sagen will.“

„Und jetzt müssen die Dorfbewohner entscheiden, ob sie es töten.“

„Bevor noch ein Kind verschwindet.“

Stacy schweigt.

CAELWYN:

„Wenn sie warten, könnte jemand anderes zu Schaden kommen.“

STACY:

„Wenn sie ohne Beweise handeln, könnten sie ein unschuldiges Wesen ermorden.“

„Und wenn sie es Monster nennen?“

„Dann fällt ihnen die Entscheidung vielleicht leichter. Richtig wird sie dadurch nicht.“


CAELWYN:

„Schon alte Überlieferungen kannten Teile dieses Problems.“

STACY:

„Augustinus beschäftigte sich mit der Frage, ob ungewöhnliche Körperformen ein Wesen aus der menschlichen Gemeinschaft ausschließen.“

„Und islamische Traditionen unterscheiden zwischen moralisch verschiedenen Dschinn, statt sie alle gleichzusetzen.“

„Unterschiedliche Traditionen, unterschiedliche Fragen. Aber beide erinnern daran, dass Aussehen und Herkunft nicht automatisch über moralische Verantwortung entscheiden.“

Caelwyn blickt zum Fenster.

„Vielleicht lautet die eigentliche Frage also, wer jemanden überhaupt zum Monster erklären darf.“

„Und wer mit den Folgen leben muss.“


CAELWYN:

„War es falsch von der Großmutter, ihren Enkel vor Menschen zu warnen?“

STACY:

„Nein. Sie wusste, wozu manche Menschen fähig sind.“

„Aber sie hat auch zugegeben, dass nicht alle gefährlich sind.“

„Und dass sie nicht zuverlässig erkennen konnte, welche es sind.“

„Was sollte das Kind also glauben?“

„Dass eine Gefahr real sein kann, ohne dass deshalb ein ganzes Volk schuldig ist.“

Caelwyn denkt darüber nach.

„Und was sollte ein Mensch tun, wenn jemand Angst vor ihm hat?“

Stacy schließt das Buch.

„Vertrauen nicht einfordern. Gründe schaffen, warum man ihm vertrauen kann.“

„Wie?“

„Versprechen halten. Verantwortung für angerichteten Schaden übernehmen. Grenzen respektieren. Diejenigen schützen, denen man selbst etwas antun könnte.“

„Und wenn die Angst bleibt?“

„Verstehen, warum.“

Das Holz knistert im Kamin.

CAELWYN:

„Was macht also ein Monster aus?“

STACY:

„Vielleicht sollten wir zuerst fragen, was es tut.“

„Und was es ist?“

„Das spielt ebenfalls eine Rolle. Aber wir sollten beides nicht miteinander verwechseln.“


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Bei Mythveil Chronicles ist ein Monster nicht einfach eine Ansammlung von Spielwerten, die darauf wartet, besiegt zu werden.

In Andaluria: Blood & Desire bestimmen deine Entscheidungen, wie Menschen und übernatürliche Wesen einander in Erinnerung behalten. Ein Akt der Barmherzigkeit kann eine Tür öffnen. Ein gebrochenes Versprechen kann sie für Generationen verschließen.

Eine lebendige Welt, die sich weiterbewegt — mit oder ohne dich.

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