Der Spielplatz nach Einbruch der Dunkelheit

The Inner Fire – Sex, Drugs & Folk Music

Erwachsene liebten Regeln.

Regeln für Schuhe.

Regeln fürs Sitzen.

Regeln für Stimmen.

Regeln für Manieren.

Regeln dafür, was man fühlen durfte.

Und vor allem –

Regeln dafür, wann man die anderen Regeln einmal nicht befolgen musste.

Kinder hatten einen Namen für so einen Ort.

Spielplatz.

CHIBI:
„Warum sind wir draußen?“

MARA:
„Weil Sean gesagt hat, wir sollen warten.“

CHIBI:
„Das sagt er immer, wenn er uns irgendwo nicht dabeihaben will.“

MARA:
„Ja.“

CHIBI:
„Also gehen wir irgendwohin.“

MARA:
„Du bist anstrengend.“

CHIBI:
„Danke.“

Musik zog durch die Straße.

Eine Geige.

Ein Klavier.

Echtes Lachen.

Nicht dieses höfliche Lachen.

CHIBI:
„Das klingt besser.“

Sie gingen um die Ecke.

Ein Pub.

Eine Music Hall.

Eine Boxhalle.

Ein Club.

Eine Apotheke.

Ein paar diskrete Türen.

Chibi blieb stehen.

CHIBI:
„Erwachsene haben Spielplätze.“

MARA:
„Was?“

CHIBI:
„Schau doch.“

Ein Gentleman kam lachend aus dem Pub.

Zwei Frauen verschwanden in der Music Hall.

Junge Männer drängten Richtung Boxhalle.

Ein älterer Herr sah sich zweimal um, bevor er in einem namenlosen Club verschwand.

CHIBI:
„Uns lassen sie den ganzen Tag stillsitzen.“

MARA:
„Ja.“

CHIBI:
„Dann schicken sie uns raus zum Rennen.“

MARA:
„Ja.“

CHIBI:
„Und die sitzen auch den ganzen Tag still.“

MARA:
„Ja.“

CHIBI:
„Und dann kommen sie hierher.“

Mara betrachtete die Straße.

MARA:
„Oh.“

CHIBI:
„Erwachsenenspielplatz.“

Aus der Boxhalle kam Jubel.

Zwei Männer kämpften.

Mit Regeln.

Runden.

Ringrichter.

Handschlag danach.

CHIBI:
„Also ist Kämpfen mit Regeln zivilisiert?“

MARA:
„Manchmal.“

CHIBI:
„Und ohne Regeln?“

MARA:
„Meistens nicht.“

CHIBI:
„Ändern die Regeln das Kämpfen?“

Mara dachte nach.

MARA:
„Nein.“

CHIBI:
„Was ändern sie dann?“

MARA:
„Wie die Leute es nennen.“

Auf der anderen Straßenseite schloss der Apotheker seinen Schrank ab.

Morphium.

Laudanum.

Kokainpräparate.

CHIBI:
„Das sind Drogen.“

MARA:
„Das ist Medizin.“

CHIBI:
„Also beides?“

MARA:
„Ja.“

CHIBI:
„Woher wissen die Sachen, was sie gerade sind?“

Mara sah auf die Flaschen.

MARA:
„Wissen sie nicht.“

CHIBI:
„Wer entscheidet es dann?“

MARA:
„Menschen.“

CHIBI:
„Klingt riskant.“

MARA:
„Ist es auch.“

Sie gingen weiter.

In einem Arbeitersaal sangen Menschen zu einem ramponierten Klavier und einer Geige.

Kein Samt.

Keine feinen Kleider.

Keiner versteckte sich.

CHIBI:
„Ist das respektabel?“

MARA:
„Wahrscheinlich nicht.“

CHIBI:
„Warum?“

MARA:
„Falsche Leute.“

Chibi sah sie an.

MARA:
„War ein Schmäh.“

CHIBI:
„Nein.“

Mara seufzte.

MARA:
„Nein.“

Sie hörten eine Weile zu.

Jeder kannte den Refrain.

Keinen interessierte, wer gut sang.

CHIBI:
„Warum singen alle dasselbe Lied?“

MARA:
„Weil dann keiner etwas vorführen muss.“

CHIBI:
„Sie führen doch gerade was vor.“

MARA:
„Nein.“

Sie zeigte durchs Fenster.

MARA:
„Sie machen mit.“

Chibi beobachtete sie.

CHIBI:
„Ist Musik also auch ein Spielplatz?“

MARA:
„Vielleicht.“

CHIBI:
„Ein Ort, wo du nicht gut sein musst, damit du dazugehören darfst?“

Mara lächelte.

MARA:
„Das war jetzt tatsächlich ziemlich gut.“

CHIBI:
„Ich weiß.“

Die Stadt atmete um sie herum.

Pub.

Boxhalle.

Musik.

Apotheke.

Club.

Druck.

Entlastung.

Druck.

Entlastung.

CHIBI:
„Warum tun Erwachsene so, als würden sie keine Spielplätze brauchen?“

MARA:
„Vielleicht glauben sie, Erwachsenwerden heißt, keinen mehr zu brauchen.“

CHIBI:
„Tut es das?“

MARA:
„Nein.“

CHIBI:
„Was heißt Erwachsenwerden dann?“

Mara sah zu den Lichtern.

MARA:
„Zu wissen, welcher Spielplatz dich nicht kaputtmacht.“

Chibi dachte nach.

CHIBI:
„Und zu wissen, wann man heimgeht?“

MARA:
„Das auch.“

Am Ende der Straße öffnete sich eine schwarze Tür.

Einige sehr respektable Erwachsene gingen hinein.

Kein Lachen.

Kein Alkohol.

Keine Musik.

Jeder hielt eine kleine schwarze Einladung.

CHIBI:
„Noch ein Spielplatz?“

Mara sah zu, wie sich die Tür schloss.

MARA:
„Keine Ahnung.“

CHIBI:
„Sollen wir's rausfinden?“

Mara nahm seine Hand.

MARA:
„Heut nicht.“

Hinter ihnen spielte die Musik weiter.

Vor ihnen blieb die schwarze Tür geschlossen.

Und irgendwo dahinter –

hatten Menschen begonnen, eine andere Frage zu stellen.

Nicht mehr, wie man dem Inneren Feuer Luft gibt.

Sondern woher es überhaupt kommt.

THE INNER FIRE – SEX, DRUGS & FOLK MUSIC

Kinder bekommen Spielplätze.

Erwachsene bauen Pubs, Clubs, Boxringe, Tanzsäle, Spieltische, Apotheken und private Türen.

Vielleicht hat die Zivilisation den Spielplatz nie abgeschafft.

Sie hat ihm nur einen respektableren Namen gegeben.

Was ist dein Spielplatz als Erwachsener – der Ort, das Ritual oder die Beschäftigung, bei der du einmal nicht funktionieren musst? Und wann hört ein Ventil auf zu helfen und beginnt, dich zu beherrschen? Bei Mythveil Chronicles interessieren uns genau diese menschlichen Zwischenräume. https://startplaying.games/gm/dunchan

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Chibi says: Stay in the Loop!!

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